Der schwäbische Himmel Württemberg

Reformation und Pietismus haben in Württemberg Land und Leute nachhaltig geprägt. Das rings von altgläubigen Gebieten umgebene Herzogtum wurde zum viel bewunderten evangelischen Musterstaat. So erhielt es als erstes Land weltweit ein flächendeckendes Schulnetz, damit ja auch jedermann selbst die Bibel lesen konnte. Das war – wie sich im Rückblick zeigt – die entscheidende Weichenstellung hin zum Volk der Dichter und Denker. Die rings von altgläubigen Gebieten umgebene evangelische wurde im Sinne des neuen Glaubens tiefgreifend umgestaltet: hier sind buchstäblich die Uhren anders gegangen.

Nach dem 30-jährigen Krieg hat der Pietismus die Anliegen der Reformation aufgenommen und fortgeführt und als fortschrittliche und weltzugewandte Bewegung ganz selbstverständlich in seine Welt und Zeit hinein gewirkt: Kinderkirche und Konfirmation gehen auf ihn zurück; im Binnenland Württemberg wurde die Mission geradezu volkstümlich. Der Pietismus steht nicht nur an der Wiege der meisten diakonischen Werke und Einrichtungen. Der Tierschutz hat seine Wurzel im Pietismus, die schwäbischen Spätzle sind in seinem Umfeld entstanden und er hat sogar den gottlosen Kommunismus beeinflusst. In vielen Bereichen hat er den Weg in die Moderne gebahnt und die Grundlagen für den Massenwohlstand heute mit gelegt.

In dem Vortrag zeichnet der Publizist Hans-Dieter Frauer die Entwicklung Württembergs seit der Reformation nach. Dabei erfahren die Zuhörer auch, warum eine Mutter von 53 Kindern zum württembergischen Sonderweg beigetragen hat, warum man “einen Stiefel” herausschwätzen kann, warum die Kunst im Württembergischen keinen hohen Stellenwert hat und wieso Banken eine wohltätige Einrichtung sein können.

Hans-Dieter Frauer

Der in Herrenberg lebende Autor hat schon mehrere Bücher zur württembergischen Geschichte vorgelegt. Er gilt als ausgewiesener Kenner von Kirche und Pietismus und ist ein gefragter Vortragsredner im Bereich der Landeskirche.

Freitag, 09. April 2009, Saal des CVJM-Vereinshaus